Über Ostdeutsche wird derzeit viel gesprochen. Häufig spielen dabei historische Bezüge und Interpretationen eine wichtige Rolle. Am Potsdamer Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung startete im Jahr 2016 ein Projekt zur langen Geschichte der „Wende“. Im Januar 2020 reisen die Mitglieder der Forschungsgruppe unter der Leitung von PD Dr. Kerstin Brückweh nun durch Ostdeutschland und besuchen Meiningen.

Im Zentrum der Forschungen und auch des Abends stehen „Wende“-Erfahrungen: Wie erlebten Menschen in ihrer alltäglichen Lebenswelt den umfassenden Systemwechsel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – das ist die zentrale Frage. Dabei wird 1989/90 nicht als ,Stunde Null‘ verstanden. Vielmehr werden die drei Zeitebenen vor, während und nach dem Umbruch miteinander verbunden. Welche Ressourcen standen den Akteuren vor 1989 zur Verfügung, wie konnten sie im Umbruch neu organisiert und verhandelt, wie nach 1989 etabliert werden? Auf welcher Grundlage und Erfahrung wurden gesellschaftliche Grundfragen debattiert, neu geordnet und in der Praxis umgesetzt? Welche Erfahrungen und Emotionen, welche Hoffnungen und Enttäuschungen waren damit verbunden? Wie wird die Geschichte im Rückblick erinnert und bewertet?

Der Abend soll ein Experiment der Wissenschaftskommunikation werden: Im Zentrum steht nicht ein fertiges Buch, sondern die Diskussion der Ergebnisse mit den Menschen vor Ort, bevor dazu im Herbst 2020 eine Publikation erscheinen wird. Im ersten Teil des Abends werden in einem Podiumsgespräch mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen die Ergebnisse vorgestellt. Der zweite Teil des Abends lädt in gelockerter Atmosphäre zu Gesprächen in kleineren Kreisen ein. Im Zentrum stehen die Themen Wohnen und Wohneigentum, Konsum, Schule und lokale politische Kultur. Entsprechen die Ergebnisse den eigenen Erfahrungen? Wo weichen sie ab? Wo eröffnen sie neue Blicke auf die (eigene) Vergangenheit?